Wie der Videobeweis VAR Fußball für immer verändert hat

Nach diversen Fehlentscheidungen an den letzten Spieltagen steht der Videobeweis in Deutschland erneut unter großer Kritik. Die Videoassistenz bei kritischen Situationen hat wiederholt nicht funktioniert und wieder eine Debatte über den Sinn des VAR (Video Assistant Referee) losgetreten. Während manch TV-Experte eine Reform des Systems fordern, wünschen sich andere die Abschaffung. Diese ist unwahrscheinlich, denn der Videobeweis hat den Fußball für immer verändert.

Nach den jüngsten Vorfällen in der Bundesliga steht das System zur Überprüfung kritischer Entscheidungen erneut in Deutschland in der Kritik. So fordert Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, dass der Videobeweis in der Bundesrepublik reformiert wird. Er schlägt vor, ehemalige Profis für die Überprüfung, die in dem inzwischen schon berühmten „Kölner Keller“ stattfindet, zu verpflichten. Diese hätten mehr Fingerspitzengefühl und würden den Schiedsrichtern dabei helfen, keine wichtige Szene mehr zu übersehen. So könnte nach seiner Meinung nach das System des Videobeweises noch gerettet werden. Der Vorstoß von Matthäus wurde durchaus positiv aufgenommen und soll in naher Zukunft geprüft werden.

Ob der VAR reformiert wird, ist nicht sicher. Sicher ist aber, dass er fürs erste Teil des Fußballbusiness bleiben wird. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass das technische Hilfsmittel, obwohl noch immer Entscheidungen übersehen werden, den Sport fairer gemacht hat. Laut DFB-Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich wurden in der Bundesliga fast 100 Fehlentscheidungen korrigiert. In der 2. Bundesliga sind es um die 80. Es handele sich somit nicht um ein Grundsatzproblem, sondern es sind eher noch Feinjustierungen nötig. Dass der Fußball dazu bereit ist, relativ neue Regeln zu ändern oder sogar abzuschaffen, zeigt die Vergangenheit. Einige der wichtigsten Regeländerungen der letzten 100 Jahren wurden korrigiert oder nach wenigen Saisons wieder verworfen. Die Regeln sind immer allgemein und gelten für alle Profiwettbewerbe im Fußball. So kam auch der VAR bei der WM 2018 zum Einsatz und sorgte für einige Kontroversen.

Dass der Videobeweis auch Vorteile bringt, ist unbestritten. Beobachter führen an, dass es weniger Schwalben und Tätigkeiten gibt, da die Spieler wissen, dass sie durchgehend vom VAR beobachtet und bewertet werden. Zudem ist es natürlich fairer, da Fehlentscheidungen in den meisten Fällen korrigiert werden. Wie deutlich der Einfluss des VAR auf die Ergebnisse ist, stellt eine Untersuchung aus England dar. Eine Analyse der Premier League Tabelle 2020/21 zeigt, dass durch den VAR die Teams durchaus auf anderen Plätzen gelandet sind. Ohne den Videoassistenten wäre der zweite FC Liverpool auf Platz 3 in der Abrechnung gestanden, Manchester United einen Rang weiter vorne platziert gewesen und der FC Arsenal hätte die Saison nicht auf Platz 4, sondern als Achter beendet.

Die Auswertung der Tabelle zeigt, dass der VAR grundlegenden Einfluss nimmt und den Fußball fairer macht. Allerdings gibt es noch deutliches Verbesserungspotenzial. So werden immer wieder entscheidende Situationen übersehen und es ist den Fans zu Hause und im Stadion häufig unklar, ob der Videobeweis angewandt wird und was warum zurückgenommen wird. Mit etwas mehr Transparenz für die Zuschauer und einer geringeren Fehlerquote sollte der VAR fester Bestandteil des Profifußballs bleiben.

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