Eine Woche Hochbahn, dann wieder KVB: Mein ehrlicher ÖPNV-Vergleich zwischen Hamburg und Köln

Ich war in dieser Woche 5 Tage im Urlaub in Hamburg, für mich war es das erste Mal in Hamburg. Dazu muss ich sagen, ich komme aus Köln und bin sehr bahninteressiert, und für mich ist ein guter und sauberer ÖPNV ein wichtiger Bestandteil jeder Großstadt. Umso mehr war ich im Vorfeld gespannt, wie gut denn der ÖPNV in Hamburg ist, und ich muss sagen: Ich wurde extrem positiv überrascht.

S-Bahn und Bahnhöfe

Hamburg. Meinen Urlaub habe ich im Radisson Blu Hotel verbracht, das sich direkt am S-Bahnhof Hamburg-Dammtor befindet. Des Weiteren befindet sich am Hotel direkt der U-Bahnhof Stephansplatz. Mit der S-Bahn ist der nächste Halt auch schon Hamburg Hbf, diesen erreicht man in 2 Minuten. Von Bahnhof Dammtor fahren die S2 sowie die S5. Somit wird eine sehr hohe Taktung angeboten, was wirklich super ist, und dadurch, dass die S-Bahnen in Hamburg, wie auch in Berlin, komplett unabhängig vom restlichen DB-Verkehr verkehren und auf Stromschiene fahren, kommt es auch kaum zu größeren Verzögerungen. Praktisch ist außerdem, dass im gesamten S-Bahn-Netz das Feature DB LightGate zum Einsatz kommt, das einem auf den Monitoren für die Fahrgastinformationen am Bahnhof schon vor Einfahrt genau anzeigt, wo im Zug die Auslastung besonders hoch ist, so kann man sich sehr gut verteilen.

Auslastungsanzeige der Hamburger S-Bahn

Haltestelle Reeperbahn als Beispiel für Sauberkeit
S-Bahn Hamburg von innen

Außerdem fährt von dort auch die U-Bahn, genauer gesagt die U1 und die U2, die ebenfalls am Hauptbahnhof (Hauptbahnhof Süd) halten sowie an einer der Haupthaltestellen in Hamburg, dem Stephansplatz, einem wichtigen Umsteigepunkt, um in die anderen U-Bahn-Linien umzusteigen sowie in die S-Bahn.

Auch die U-Bahn-Taktung liegt zum Teil bei nur 5 Minuten, und die längsten im Betrieb eingesetzten Fahrzeuge sind 120 Meter lang, was wirklich mega ist. Die Kapazität und auch die Sitzanordnung sind wirklich spitzenmäßig. Auch die Fahrgastinfo ist sehr gut, Haltestellenansagen kommen zuverlässig auf Deutsch und Englisch, und auch die Monitore in den Zügen funktionierten in den Bahnen, mit denen ich als Fahrgast mitgefahren bin, immer zuverlässig. Dazu kommt, dass alle U-Bahn-Haltestellen extrem sauber wirken und man auch im Alltag sieht, wie viel Wert die Hochbahn auf Sauberkeit legt. Anbei eine kleine Galerie einiger Hamburger U-Bahn-Stationen.

Eine Auswahl der Hamburger U-Bahn Haltestellen

Köln. Die S-Bahn in Köln, die S-Bahn Rheinland, ist keine richtige S-Bahn, nichts ist unabhängig. Köln hat die Linien S6, S11, S12 und S19, die allerdings nicht von einer selbständigen DB-Tochter wie in Hamburg betrieben werden, sondern von der DB Regio NRW, die auch alle anderen Regionalverbindungen in NRW betreibt. Köln ist außerdem die einzige der 5 größten Städte ohne eigenen S-Bahn-Citytunnel, was auch ein großer Nachteil ist. Leider vernachlässigt die DB Köln auch sonst: Bahnhöfe wie Müngersdorf-Technologiepark haben nur eine einzeilige Anzeige, was beim Namen „Technologiepark“ schon paradox ist, und aktuell werden auch an vielen Bahnhöfen wie Köln-Ehrenfeld die S-Bahnen mit 3 Wagen angezeigt, was schon seit Wochen so ist und bislang nicht geändert wurde.

Einzeiler als Anzeige an einem typischen Kölner S-Bahn Haltepunkt

Auch habe ich mir für die Recherche zu diesem Blogpost die S-Bahn-Haltestelle Geldernstraße/Parkgürtel angeschaut, und die ist auch wirklich ein Witz. Die Schilder sind schon alle verblasst, man sieht sogar noch rechts am Schild, dass dort ein ganz altes Schild ist, da man das uralte DB-Design noch ganz leicht erkennen kann, und auch der allgemeine Zustand der Station wirkt nicht gerade sauber. Dazu kommt, dass hier zwar keine Einzeiler als Anzeigen hängen, aber dennoch nur die Nachfolger-Anzeigen der Einzeiler, und das auch nur auf einer Seite. Somit scheint die DB in NRW auch niemals vorzuhaben, DB LightGate einzuführen, denn dafür sind richtige Anzeigen Pflicht. Das zeigt leider einmal mehr, mit welcher Priorität die Deutsche Bahn Köln behandelt.

Erwähnenswert ist auch die Haltestelle Köln-Chorweiler, eine von zwei S-Bahn-Tunnelstationen in Köln, die im Vergleich zu den U-Bahn-Haltestellen sogar noch verhältnismäßig sauber wirkt. Aber auch hier hängen für die DB nur Einzeiler als Anzeigen, und es gibt in der Haltestelle weder Mobilfunk noch WLAN, aber Werbetafeln, die ja scheinbar auch mit dem Internet verbunden sind, gibt es. Das ist für mich auch unbegreiflich, wie es in der heutigen Zeit noch sein kann, dass die viertgrößte Stadt S-Bahn-Tunnelstationen ohne Netz hat.

Der S-Bahn Haltepunkt Köln-Geldernstraße/Parkgürtel
Die Fahrgastinfo am S-Bahn Haltepunkt Köln-Chorweiler

U-Bahn und Stadtbahn

Köln. Zur KVB: Haltestellen sind massiv verdreckt und beschmiert, als Beispiele zu nennen sind, und das ist nur eine Auswahl, Rochusplatz, Appellhofplatz und Akazienweg. Ganz schlimm ist auch die U-Bahn-Station Hansaring, an der alles beschmiert ist, es extrem nach Urin riecht, und selbst die Werbetafeln nicht mehr zu erkennen sind, da diese komplett mit Graffiti eingesprüht sind. Trotz mehrfacher eigener Meldung ist bis heute nichts passiert in Sachen Entfernung, wir reden hier von Monaten. Vor allem wichtig wäre auch, wenn zumindest die Schilder gereinigt würden, auf denen Liniennummer und Haltestellennummer stehen, aber selbst das passiert nicht. Als täglicher KVB-Nutzer kann ich sagen: Im April wurden mal drei Haltestellen gereinigt, unter anderem auch Körnerstraße, und selbst da ist das Haltestellenschild immer noch beschmiert, weil es nicht mitgereinigt wurde.

Die KVB macht derzeit eine Ausstellung zum Vandalismus, „Die Kunst des Schadens“, in der man den Verursachern meiner Meinung nach noch eine Bühne gibt. Das finde ich nicht gut, eher kontraproduktiv, ich sehe das als Ablenkung. Die KVB tut so, als könnte sie nichts tun, und schiebt alles auf andere. Das Problem ist real, dass es mehr Vandalismus gibt, aber man muss deshalb umso mehr auch reinigen. Die KVB hat aus meiner Sicht von allen Städten die schlimmsten Haltestellen, weil sie sich nicht um größere Reinigungen kümmert, außer die tägliche Standardreinigung, die aber nicht ausreicht.

Anbei eine Galerie zum Zustand der U-Bahn-Haltestellen in Köln, und ich versichere, die gezeigten Haltestellen sind keine Einzelfälle, da hätte man fast jede nehmen können. Wie gesagt, Graffitientfernung und richtige Reinigung bleiben bei der KVB leider so gut wie aus, auch wenn offiziell seitens der KVB behauptet wird, dass ständig Haltestellen komplett gereinigt werden. Dies kann ich aber als täglicher KVB-Reisender absolut nicht bestätigen. All diese Beschmierungen, die man in der Galerie sieht, existieren seit Monaten.

Eine Auswahl der Kölner U-Bahn Haltestellen

Bus und Fahrgastinformation

Hamburg. Neben S- und U-Bahn bin ich auch hin und wieder mit dem Linienbus gefahren, und hier setzt die Hamburger Hochbahn je nach Bedarf entweder 12 Meter lange Busse ein, 18 Meter lange Busse, oder aber sogar 21 Meter lange Busse, letztere haben fünf Türen, und die Sitzplätze sind auch sehr bequem und wie in den Bahnen gepolstert. Aber am meisten bewundert habe ich in den Bussen die Fahrgastinformation: Die sieht zum einen super modern aus, links werden bei einem Halt die Anschlüsse angezeigt und rechts der Fahrtverlauf, und während der Fahrt wird wie bei einer Navigation eine Livekarte angezeigt, man kann in Echtzeit sehen, wann der Bus an welcher Haltestelle ist.

Fahrgastinfo in den Bussen der Hamburger Hochbahn (Bild: Hochbahn)
Fahrgastinformation an den Haltestellen der Hamburger Hochbahn

Mein Fazit zum ÖPNV in Hamburg fällt extrem gut aus. Wenn ich eine Note vergeben könnte, würde ich eine 1 bis 2 geben. Verbessern kann man sicherlich immer noch etwas, aber die Bahnen kommen sehr zuverlässig, die Anzeigetafeln am Bahnhof zeigen die Infos auch sehr zuverlässig an, genauso wie die Fahrgastinformation in den Bahnen, und besonders gut finde ich die extreme Sauberkeit der Bahnhöfe, insbesondere der U-Bahnhöfe, die richtig glänzen und auch total neutral riechen, nicht nach Urin oder anderen unangenehmen Gerüchen.

Köln. Die Anzeigetafeln an den Haltestellen der KVB funktionieren extrem unzuverlässig, seit dem letzten Update eher noch unzuverlässiger: Bahnen, die ausfallen, werden als fahrend angezeigt und kommen nie, und umgekehrt werden Bahnen als Ausfall angezeigt, die trotzdem fahren. So in etwa stelle ich mir die Anzeigetafeln der KVB an Bahnhöfen vor:

Mockup wie ich mir die Anzeigetafeln in Köln wünschen würde

In den Fahrzeugen sind die Ansagen viel zu leise, insbesondere im Tunnel sind sie so gut wie gar nicht zu verstehen, und die Fahrgastinfo in den HF6-Wagen (5300er) funktioniert auch nach wie vor nicht zuverlässig, meistens kann keine Fahrgastinfo angezeigt werden, oder die Softwareversion ist veraltet. So auch heute wieder, bei meiner ersten Fahrt in Köln nach meinem Hamburg-Trip: Alle drei Anzeigen im Wagen gingen nicht.

In den Fahrzeugen sind die Ansagen viel zu leise, insbesondere im Tunnel sind sie so gut wie gar nicht zu verstehen, und die Fahrgastinfo in den HF6-Wagen (5300er) funktioniert auch nach wie vor nicht zuverlässig, meistens kann keine Fahrgastinfo angezeigt werden, oder die Softwareversion ist veraltet. So auch heute wieder, bei meiner ersten Fahrt in Köln nach meinem Hamburg-Trip: Alle drei Anzeigen im Wagen gingen nicht.

Bei der Rheinbahn in Düsseldorf, die dieselben Baureihen einsetzt, funktionieren die Anzeigetafeln dagegen einwandfrei, selbst die Haltestellen dort sind extrem sauber.

Mein Fazit zum ÖPNV in Köln fällt entsprechend schlecht aus, wenn ich eine Note vergeben müsste, wäre es eine 5, wenn nicht sogar eine 6. Größter Kritikpunkt für mich: Die KVB macht kein ehrliches Marketing. Probleme werden gerne zurückgewiesen, es wird gesagt „wir arbeiten dran“, aber man merkt keine Verbesserung. Dazu passt für mich auch nicht, dass die KVB ihre Fahrgäste duzt. Der lockere Ton soll wohl Nähe schaffen, wirkt aber ohne ehrliche Kommunikation aufgesetzt, eine echte Beziehung zu den Fahrgästen kann so aus meiner Sicht nicht entstehen, und den Frust merkt man in Köln durchaus. Der ÖPNV in Köln gehört zu den schlechtesten überhaupt, unzuverlässig und schlecht ausgebaut, mit Haltestellen, die in die Jahre gekommen sind und um deren Sauberkeit sich nur bedingt gekümmert wird.

Wart ihr schon mal in Hamburg oder Köln? Falls ja, wie ist euer Eindruck vom dortigen ÖPNV? Schreibt uns gerne eure Meinung in die Kommentare.

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