Thinkpad als Server, Einsatz als Homeserver und NAS

Tat bisher ein Raspberry Pi als Server seinen Dienst, habe ich diesen nun durch ein Thinkpad ersetzt. Genauer gesagt ein bereits betagtes Modell: ein Thinkpad R61. Warum?

Der RPI ist ein nettes, kleines und stromsparendes Gerät. Allerdings störten mich ein paar Dinge. Der RPI selbst ist klein, aber sobald man noch zusätzlichen Speicher haben will und eine externe Platte anschließen muss, benötigt man für diese eine weitere Stromversorgung. Der Strom über USB reicht nicht. Also hatte ich neben dem Kleinrechner also noch eine USB-Platte und einen aktiven USB-Hub mit Netzteil herumstehen. Jeweils mit Kabeln von einem zu anderen. Optisch kein Hightlight.

Auch die Rechenleistung hat ihre Grenzen. Mit der zweiten Generation wurde es besser, aber Owncloud, NAS und Co liefen langsam, aber auch zuverlässig. Am meisten stört mich jedoch, dass Betriebssystem und Daten auf der Micro-SD-Karte laufen. Ich hatte nie Probleme, hörte aber auch öfter von Anderen, dass diese kaputt ging. Ich habe da auch nicht das Riesenvertrauen in den fingelnagelgroßen Datenspeicher. Ein regelmäßiges Backup war daher stets Pflicht, ist aber manueller Aufwand. Herunterfahren, Karte raus, Image erstellen und wieder zurück.

Wie auch immer! Ich spielte schon länger mit dem Gedanken nach einem neuen Server. Da der Raspberry ohne Probleme lief, hatte das keine hohe Priorität und viel Geld wollte ich ohnehin nicht ausgeben.

Thinkpad als Server

Ein Notebook als Server? Ist das eine gute Idee? Ich sehe hier eine Reihe an Vorteilen: Notebooks sind sparsame Geräte und haben eine kompakte Bauform. Durch den Akku hat man gleichzeitig eine eingebaute USV, falls der Strom mal weg ist. Dank eingebauter Tastatur und Bildschirm ist auch bei Problemen die Diagnose einfach. Aufklappen und sehen was los ist, statt Abbauen, Kabel suchen, Monitor + Tastatur anschließen.

Klingt erstmal gut. Nachteile? Notebooks sind eher nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt. Auf der anderen Seite handelt es sich bei dem Thinkpad nicht um ein schmales Ultrabook mit hochdrehenden Lüfter. Deswegen ist nicht jedes Notebook gleich geeignet.

Da ein Freund gerade sein altes Thinkpad R61 ausmustern wollte, habe ich Chance ergriffen. Das Gerät ist schon älter, sollte aber seinen Dienst tun. Rechenleistung des Core2Duo und 3 GB RAM müssten ausreichen. Das Thinkpad R61 ist eher die Kategorie mobiler Panzer. Es ist, verglichen mit modernen Geräten, groß und schwer. Die CPU hat einen großen Kühlkörper, was leisen und gut gekühlten Betrieb erlaubt. Der Prozessor ist die meiste Zeit im Idle-Modus und taktet herunter. Der Lüfter ist die meiste Zeit aus. Falls er läuft, dann sehr leise.

Die Festplatte habe ich durch eine SSD ersetzt. Als Datengrab kommt eine USB-Platte zum Einsatz. Dies ist die kleine Unschönheit, ein externes Gerät. Theoretisch könnte man das durch eine entsprechend große primäre Festplatte lösen oder durch eine Festplatte um Ultrabay-Port, statt dem DVD-Laufwerk. Hier hätte man auch Geschwindigkeitsvorteile über das Netzwerk. Das Thinkpad verfügt über einen Gigabit-Ethernet-Port. Ein weiterer Vorteil gegenüber die 100 Mbit des RPI.

Aufgrund des Alters war noch ein neuer Akku fällig. Diese sind zum Glück recht günstig und so kostete der Akku nur 30 Euro. Spannend war nun noch der Stromverbrauch. Der RPI ist hier kaum zu schlagen, aber auch das Thinkpad verbraucht nicht viel. Ohne Display und im Leerlauf sind es ca. 13 Watt. Bei Auslastung geht es bis ca. 25 Watt, aber das ist die Ausnahme. Mit Display werden es 40 Watt, aber das ist standardmäßig nicht aktiv. Passt also.

Optisch gefällt mir das Thinkpad deutlich besser als der Aufbau des Raspberry Pi. Es nimmt etwas mehr Grundfläche ein, verzichtet darüber hinaus aber auf das Kabelgewirr. Man könnte auch eine Pflanze drauf stellen. Aushalten würde das Ding das. Um schnell mal etwas nachzuschauen kann ich das Notebook aufklappen und direkt dran arbeiten. Dabei fällt auf, was die alten Thinkpads doch für geile Tastaturen hatten.

Die Software

Auf dem RPI liefen bisher zahlreiche Dienste: Fileserver, Subversion, Seafile, Owncloud, Jabber, Webserver, MySQL-Datenbank, Redmine. Als Betriebssystem kam Linux zum Einsatz, was anderes gibt es auf dem RPI eh nicht. Auf dem Thinkpad habe ich mich entschlossen zweigleisig zu fahren. Das Grundsystem ist ein Windows 10. Die Dienste laufen in einer virtuellen Linux-Maschine.

Unter Windows selbst läuft derzeit nur der Fileserver. Freigaben lassen sich in Windows leicht einrichten. Den Rest habe ich mit VirtualBox in Ubuntu-Server umgesetzt. Viele Anwendungen laufen besser unter Linux. Zudem kann ich von der virtuellen Maschine schnell ein Backup erstellen. Ich kann diese auch klonen um was zu testen, Snapshots erstellen. Um im Falle, dass der Server seinen Dienst einstellt, kann ich diese dann einfach auf einem anderen Computer weiter betreiben.

Die Einrichtung der Linux VM hat mich etwas 2 Tage gekostet. Ich konnte zwar viele Dinge vom RPI und dessen Konfigurationsdateien übernehmen, aber jede neue Linux-Version macht Dinge anders und neu.

Windows bootet automatisch, meldet sich an und startet dann die virtuelle Maschine. Backups gehen automatisch: die virtuelle Maschine wird in der Nacht herunter gefahren, das Backup erstellt und wieder gestartet.

Fazit

Performancemäßig ist das alte Thinkpad deutlich schneller. Die NAS kommt auf 20 MB/s schreiben und 30 MB/s lesen. Beim RPI waren es knapp 9 MB/s. Der limitierende Faktor ist hier das externe USB-Laufwerk. Beim Zugriff auf die interne SSD kann man mit knapp 70 MB/s schreiben und lesen. Dies könnte ich noch mit einem Ultrabay-Adapter und interner Festplatte verbessern, hat aber momentan keine Priorität.

Auch Seafile und Nextcloud laufen schneller und flüssiger. Bei den anderen Diensten merke ich keinen Unterschied. Stromverbrauch passt auch. Die Lautstärke ist die meiste Zeit bei Null. Nur gelegentlich läuft der Lüfter mal an.

Fazit: Läuft zur vollsten Zufriedenheit und hoffentlich noch die nächsten Jahre ohne Probleme. Aber Thinkpads sind eh gebaut für die Ewigkeit.

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