Microsoft Todo – was auf Wunderlist wurde

Etwa 3 Jahre ist es her, da wurde Wunderlist mit viel Tamtam von Microsoft übernommen. Etwa 100 Millionen Euro sollen damals geflossen sein, viel Geld für eine Todo-Liste, wenig für ähnliche Übernahmen im Tech-Bereich.

Wunderlist war damals eine der besseren Todo-Apps, welche es für Smartphone und Desktop gab. Fluffiges Design, verfügbar auf allen Plattformen und mit pfiffigen Funktionen. Und natürlich ein paar Millionen Benutzer die damit ihre täglichen Arbeiten verwalteten. Nach und nach wurden neue Funktionen integriert, auch wenn die Entwicklung bereits damals eher langsam war. Eine App für alle Plattformen mit allen Funktionen, das ist schon eine Herausforderung für sich.

Spannend war also, was Microsoft nach der Übernahme des Startups tun würde, da eine ToDo-App technisch gesehen nicht die größte Herausforderung ist und man mit Outlook solche Funktionen bereits abdeckt. Heraus kam die Ankündigung Wunderlist als Bestandteil von Office 365 aufgehen zu lassen, als Microsoft Todo. Dies war vor einem Jahr. Microsoft Todo ist mittlerweile halbwegs verfügbar und kann genutzt werden. Da ich Wunderlist früher gerne verwendetete (mittlerweile verwende ich Todoist), habe ich mir den Dienst von Microsoft genauer angeschaut.

An Wunderlist erinnern nur noch einzelne Designelemente, Microsoft Todo scheint in weiten Teilen neu entwickelt worden sein. Es gibt weiterhin Projekte mit Aufgaben, welche nochmal Unteraufgaben enthalten können. Zu jeder Aufgabe können Termine festgelegt werden und Erinnerungen. Das Design ist weiterhin aufgeräumt und in Teilen anpassbar. Jedes Projekt kann farblich mit einem Hintergrundbild versehen werden.

Die Kommentarfunktion für Aufgaben ist eingeschränkt, mehr als Text geht nicht. Bilder einfügen? Fehlanzeige.

Wer Wunderlist kennt, findet hier eigentlich nur eine abgespeckte Wunderlist-Version vor. Ein Grund zum Wechseln von Wunderlist, welches bisher ohne Probleme weiterläuft? Unnötig. Wer dennoch wechseln will, kann seine Wunderlist Daten immerhin importieren.

Als neue Funktion gibt es die Funktion “MyDay”. Mit dieser kann man sich Aufgaben für den aktuellen Tag vorschlagen lassen. Aus diesen wählt man die gewünschten Aufgaben aus, welche an dem Tag erledigt werden sollen. Dies ist praktisch für Leute, welche am Morgen noch nicht genau wissen, was an dem Tag auf dem Programm stehen soll.

Den Vergleich mit anderen Anwendungen wie Todoist ist Microsoft Todo jedoch haushoch unterlegen. Es fehlen Möglichkeiten Tags zu vergeben und danach zu filtern. Abgeschlossene Projekte lassen sich nur löschen, aber nicht archivieren. Vorlagen für neue Projekte gibt es ebenfalls nicht. Auch die Erstellung von Aufgaben und die Verwaltung geht in Todoist einfacher von der Hand. Bereits die kostenlose Version von Todoist bietet mehr. Hier gibt es noch jede Menge Nachholbedarf. Die Karma-Funktion von Todoist, welche einen für erledigte Aufgaben belohnt und Ziele vorgibt, fehlt hier ebenfalls.

Apps gibt es für Windows, Android und iPhone. Die Windows-Version gibt es nur über den App-Store. Da dieser bei den meisten Firmenanwendern gesperrt sein dürfte, scheidet Microsoft Todo damit für den professionellen Einsatz aus.

Ob Microsoft mit dem Kauf glücklich geworden ist? Vermutlich nicht, die derzeitigen Funktionen hätte man für das Geld auch selbst entwickeln können. Bleiben nur die Nutzer, welche der Hauptgrund für den Kaufpreis geliefert haben durften. Doch ob diese von Wunderlist auf Microsoft Todo oder gleich zu einem Marktbegleiter wechseln? Zumal der Wechsel auf andere Anbieter schnell geht. Oft wird ein Importer angeboten und wer nicht gerade hunderte Todos hat, hat in wenigen Stunden alles eingerichtet.

Am Ende wurde hier jede Menge Potential verschenkt, in dem man sich viel zu lange Zeit ließ, die Sache vernünftig in das Microsoft Portfolio zu integrieren. Andere Anbieter haben funktionsmäßig drauf gelegt und die meisten Anwender durften weiter gezogen sein.

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